Mit ihrer am 17. Juli 2026 veröffentlichten Mitteilung zur Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Bankensektors hat die Europäische Kommission eine umfassende Agenda vorgestellt, um den europäischen Bankenmarkt leistungsfähiger, integrierter und wachstumsorientierter zu gestalten. Die Initiative ist ein zentraler Baustein der Savings and Investments Union (SIU) und soll sicherstellen, dass Banken auch künftig eine tragende Rolle bei der Finanzierung von Innovation, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Verteidigungsinvestitionen übernehmen können.
Die Kommission verfolgt dabei das Ziel, die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu bewahren und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Kreditvergabe und Investitionen zu verbessern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Banken noch stärker zur Finanzierung der europäischen Wirtschaft beitragen können, ohne die Finanzstabilität zu gefährden.
Die Agenda der EU-Kommission
Die Kommission identifiziert drei zentrale Herausforderungen, die derzeit die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken begrenzen:
- Fragmentierung des europäischen Bankenmarktes: Es bestehen weiterhin nationale Barrieren, die grenzüberschreitende Aktivitäten von Banken erschweren. Dies verhindert Skaleneffekte, erhöht Kosten und erschwert europäischen Instituten den Wettbewerb mit großen internationalen Banken.
- Anpassungsbedarf bei Basel III: Zwar hielte die EU grundsätzlich an internationalen Standards fest, gleichzeitig soll die Regulierung künftig stärker die Besonderheiten des europäischen Finanzsystems berücksichtigen. Dies betrifft insbesondere die starke Rolle der Bankenfinanzierung in Europa sowie die unterschiedlichen Geschäftsmodelle großer und kleiner Institute.
- Vereinfachung der Regulierung und Aufsicht: Die Kommission verweist auf komplexe Meldepflichten, Überschneidungen in der Regulierung sowie Ineffizienzen im Zusammenspiel von Aufsichts- und Abwicklungsregeln. Ziel ist eine Vereinfachung hin zu einem proportionaleren Regelwerk und ein höheres Maß an Automatisierung.
Ausblick
Die Agenda markiert noch keinen konkreten Gesetzgebungsvorschlag, gibt aber die strategische Richtung der europäischen Finanzmarktpolitik für die kommenden Jahre vor. Die Kommission macht deutlich, dass sie einen stärker integrierten und wachstumsorientierten Bankensektor als wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit Europas betrachtet. Konkrete regulatorische Maßnahmen sollen im ersten Quartal 2027 vorgeschlagen werden. Dann wird sich zeigen, ob die EU-Kommission wirklich entschlossen ist, den gezeichneten Weg hin zu echten Reformen und regulatorischen Erleichterungen zu gehen.
