
Die TSI und die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) haben zusammen mit Leaseurope und Eurofinas die heute abgelaufene Konsultation der Europäischen Kommission zum neuen Vorschlag der Delegierten Verordnung zur LCR beantwortet (siehe auch TSI kompakt vom 17. Juni). Der Vorschlag der Kommission wurde grundsätzlich positiv bewertet. Er nimmt zentrale Marktanliegen auf. Die geplante Öffnung für niedrigere Ratingstufen, der Wegfall der Laufzeitgrenze und die Harmonisierung mit STS-Vorgaben sind wichtige Fortschritte. Gleichzeitig kann die Verknüpfung der LCR-Vorschriften mit der neuen Kategorie für „resiliente“ Transaktionen zu zusätzlicher Komplexität, Marktfragmentierung und Fehlanreizen führen – insbesondere für risikoarme Assetklassen wie Auto-ABS oder Trade Receivables.
Die Einschätzung von TSI, DK, Leaseurope und Eurofinas wird im Folgenden zusammengefasst:
Positive Aspekte des LCR-Vorschlags
- Ausweitung der Kreditqualitätsstufen: CQS1 bis CQS7 sind nun für die Stufe 2B zulässig – somit werden auch Papiere mit Bonitätsstufe A- erfasst.
- Wegfall der 5-Jahres-Laufzeitgrenze: Die spezifisch europäische Laufzeitbeschränkung entfällt – das erhöht Flexibilität.
- Harmonisierung mit STS-Vorgaben: Die Homogenitätsanforderungen werden an die STS-Regelung angepasst – das erleichtert die Anwendung.
- Zudem wird es dadurch mehren Transaktionen und Assetklassen ermöglicht, die LCR-Kriterien zu erfüllen, darunter nach unserem Verständnis auch ABCP-Transaktionen.
Negative Aspekte aus Sicht der TSI
- Die neue Kategorie „resilienter“ Verbriefungen schafft neue Komplexität: Die zusätzliche Regulierungsebene erhöht den Aufwand ohne klaren Mehrwert.
- Fehlanreize durch Mindest-„Attachment Point“: Die Regelung bevorzugt riskantere Strukturen gegenüber konservativen ABS, z. B. von Auto- oder Handelsforderungen. Durch die Verknüpfung mit den LCR-Kriterien würden diese hochqualitativen Assetklassen schlechter gestellt werden.
- Gefahr der Marktsegmentierung: Die vorgeschlagene Kategorie „resilienter“ Verbriefungen würde nur einen kleinen Marktteil erfassen – das gefährdet die Wirksamkeit auch der LCR-Reform insgesamt.
- Daher sollte die LCR erst nach einer sinnvollen Überarbeitung der Kategorie „resilienter“ Transaktionen im Rahmen des CRR-Vorschlags zugeordnet werden.
Wirkung auf den Verbriefungsmarkt
Die Reform kann Verbriefungen als LCR-Instrument stärken. Die meisten Punkte der Europäischen Kommission sind zu begrüßen. Verbriefungspositionen werden zwar nicht auf das Level 2A gehoben, erhalten jedoch bei Erfüllung aller Kriterien den gleichen Haircut. Die Verknüpfung mit „resilienten“ Transaktionen ist dringend zu überarbeiten.
Ausblick und weiteres Verfahren
Die Kommission hatte am 17. Juni 2025 eine öffentliche Konsultation gestartet. Rückmeldungen waren bis heute möglich. TSI, DK, Leaseurope und Eurofinas haben ihre Stellungname fristgerecht eigereicht. Es ist zu erwarten, dass die Rückmeldungen zur LCR-Konsultation in die weitere Diskussion um die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Verbriefungsregulierung einfließen werden