
Europas Unternehmen kämpfen um Wachstumskapital. Während andere Regionen wie die USA oder Asien mit tiefen, liquiden Märkten aufwarten können, bleibt Europa zurück. Die Folge: Innovative Firmen wandern ab oder scheitern am fehlenden Risikokapital. Die Bundesregierung und fünf weitere EU-Staaten (Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen und Spanien, zusammen die sogenannten „E6“) wollen das ändern. Ihr Ziel ist klar: Ein europäischer Kapitalmarkt soll mehr Kapital mobilisieren, Bürokratie abbauen und Investoren Sicherheit bieten. Nur so lässt sich laut der E6 die wirtschaftliche Souveränität Europas langfristig wahren.
Zahlreiche Maßnahmen für einen starken europäischen Kapitalmarkt
Die E6 fordern konkrete Schritte, z. B.:
- Private Altersvorsorge reformieren: Staatliche Förderung für kapitalmarktbasierte Depots soll neues Kapital anziehen.
- Finanzielle Bildung ausbauen: Eine nationale Strategie soll allen Bürgern Chancen und Risiken des Kapitalmarkts vermitteln.
- Innovative Unternehmen, Scale-ups und Börsengänge fördern: Nach dem Vorbild Frankreichs und Deutschlands sollen institutionelle Anleger Milliarden in europäische Tech-Firmen investieren; zudem soll mehr privates Kapital für wachsende Unternehmen mobilisiert und die Hürden für IPOs gesenkt werden.
- EU-Recht reformieren: Eine neue einheitliche EU-Rechtsform („28. Regime“) könnte eine grenzüberschreitende Skalierung für Start-ups erleichtern.
- Wertpapierhandel vereinfachen: Harmonisierte Depot- und Wertpapierrechte würde grenzüberschreitende Geschäfte fördern.
- Regulierung entschlacken: Ein „Financial Services Simplification Package“ soll Bürokratie abbauen, ohne Schutzstandards zu gefährden; zudem soll ein europäisches Kapitalmarktgesetz einheitliche Regeln etablieren.
Verbriefungsmärkte ebenfalls im Fokus
Die E6 betonen, dass Verbriefungen privates Kapital mobilisieren, Bankbilanzen entlasten und so die Kreditvergabe an die Realwirtschaft stärken. Sie drängen darauf, die entsprechenden Trilog-Verhandlungen bis Herbst 2026 abzuschließen.
Ausblick
Diese Reformen könnten die Basis dafür schaffen, Europas Wettbewerbsfähigkeit und seine Position auf dem Weltmarkt wie auch in der Weltpolitik wieder zu stärken – denn hierfür braucht es einen auf Dauer leistungsfähigen Kapitalmarkt. Wir begrüßen ausdrücklich, dass die E6 auf zeitnahe Ergebnisse und Fortschritte bei einem europäischen integrierten Kapitalmarkt drängen.