
Die EU will mit der Savings and Investments Union (SIU) Kapitalströme stärker auf produktive Investitionen lenken sowie grenzüberschreitende Finanzgeschäfte fördern. Ein zentraler Baustein ist die Anpassung von Solvency II. Seit 2016 regelt die Solvency II die Eigenmittelanforderungen europäischer Versicherer. Sie gilt vor allem im Bereich Verbriefungen als sehr restriktiv. Nun zielt die Reform darauf, mehr Kapital für Infrastruktur, KMU und nachhaltige Projekte zu aktivieren – auch mit Hilfe von Verbriefungen.
Kernpunkte der geplanten Änderungen
- Technische Rückstellungen und Zinsstruktur:
Anpassungen bei den sog. „First Smoothing Points“ und Extrapolation der risikofreien Zinskurve: stabilere Bewertung langfristiger Verpflichtungen; überarbeitete Methodik zur Risikomarge mit zeitabhängigem Abschlag. - Marktrisiken und langfristige Anlagen:
Neue Regeln für langfristige Aktienanlagen und bevorzugte Fonds: weniger Kapitalbedarf für strategische Bestände; Reform des Volatility Adjustments und des symmetrischen Equity-Adjustments. - Risikogewichte für Verbriefungen:
Reduzierte Risikofaktoren für STS-Seniortranchen und differenzierte Kalibrierung für Non-STS-Tranchen: stärkere Risikosensitivität; Wegfall der Doppelrating-Pflicht für STS-Positionen. - Proportionalität und vereinfachte Verfahren:
Vereinfachte Berechnungen für kleinere oder weniger komplexe Risiken: Geringere operative Last; klar definierte Bedingungen für die Nutzung von Erleichterungen auf Solo- und Gruppenebene. - Reporting, Governance und Gruppenaufsicht:
Straffung der Berichtsanforderungen: Weniger Umfang, mehr Klarheit; präzisere Regeln zur Gruppen-Solvenz und zu anrechenbaren Eigenmitteln.
Bedeutung für den Verbriefungsmarkt
Die Anpassungen von Solvency II sollen die Rolle des Kapitalmarkts als Finanzierungsquelle der Realwirtschaft stärken. Auch der Investorenkreis für den Verbriefungsmarkt könnte damit eine neue Dynamik erhalten. Versicherer erhalten durch geringere Kapitalanforderungen wieder stärkere Anreize, in hochwertige Verbriefungen zu investieren. Dies betrifft vor allem STS-konforme Transaktionen. Der auf STS bezogene Wegfall der Doppelrating-Pflicht bezieht sich u. E. nur auf private Transaktionen, stellt dabei aber eine sinnvolle Erleichterung dar. Die Solvency II Anpassungen stehen im Zusammenhang mit der aktuell laufenden Überarbeitung der gesamten Verbriefungsregulierung (siehe TSI kompakt vom 17. Juni)
Ausblick
Die Europäische Kommission hat Ende Oktober 2025 die Gesetzesvorschläge zur Umsetzung der SIU-Strategie vorgelegt. Sie konkretisieren Maßnahmen zur Integration von Aufsicht, Handel und Post-Trading sowie zur Modernisierung von Solvency II. Ziel ist die Verabschiedung der neuen Regelungen bis Mitte 2026. Dieses Maßnahmenpaket wird hoffentlich bereits Anfang 2027 durch die Überarbeitung der Verbriefungsregulierung ergänzt, um die Kapitalmarktunion entscheidend zu vertiefen und das Wachstum der europäischen Finanzmärkte zu fördern.
Pressemitteilung der Europäischen Kommission
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