
Die britische Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen (Prudential Regulation Authority – PRA) und die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde (Financial Conduct Authority – FCA) haben nach 2023 die nächste umfassende Konsultation zur UK Verbriefungsregulierung veröffentlicht (siehe TSI kompakt vom 14. August 2023). Ziel ist die Loslösung von der EU-Verbriefungsregulierung und die abschließende Etablierung eines eigenständigen Rahmenwerks. Nach ersten technischen Gesetzesanpassungen 2024 und einer Phase intensiver Marktgespräche folgt nun eine umfassende Konsultation zu tiefergehenden strukturellen Reformen, welche den Markt spürbar entlasten und zugleich ein konsistentes Aufsichtsverständnis zwischen PRA und FCA sicherstellen soll.
Kernelemente der britischen Reformvorschläge
Die beiden Konsultationen decken ein breites Spektrum ab. PRA und FCA adressieren vor allem folgende Punkte:
- Vereinfachte und prinzipienorientiertere Due-Diligence-Vorgaben: Investoren sollen künftig stärker risikoorientiert und mit weniger formalen Vorgaben agieren können.
- Öffnung für internationale Strukturen: Der Zugang zu Drittlandtransaktionen wird erleichtert, etwa bei US‑CLOs. Das schafft neue Investitionsmöglichkeiten und erhöht die Attraktivität des britischen Markts.
- Reduktion des Transparenzvorschriften: Die PRA schlägt deutlich verschlankte Templates vor, die näher an bestehenden Bank-of-England‑Standards liegen und so operative Doppelstrukturen vermeiden. Es soll zudem nicht mehr zwischen privaten und öffentlichen Transaktionen unterschieden werden.
- Weitere operative Entlastungsmaßnahmen: Die PRA adressiert zudem weitere operative Vereinfachungen, u. a. im Hinblick auf die zur Verfügung zu stellenden Dokumente oder der Risk Retention.
Insgesamt wählen die britischen Behörden damit einen klar marktorientierten, prinzipienorientierten Ansatz mit dem Ziel, Markteintrittsbarrieren zu senken und neue Strukturen zu fördern.
Vergleich zu den Reformvorschlägen der EU‑Kommission
Auch wenn die EU ähnliche Ziele wie UK verfolgt, sind die Ansätze sehr unterschiedlich: Während das Vereinigte Königreich einen klaren Fokus auf die Verschlankung der Regulierung legt, kann die EU sich bisher scheinbar nicht zu solch umfassenden Maßnahmen zur Entbürokratisierung durchringen (siehe auch unsere Einschätzung in TSI kompakt vom 15. Dezember 2025). Zudem öffnet sich die EU deutlich weniger gegenüber internationalen Verbriefungsstrukturen. Marktfördernde Maßnahmen in UK werden unweigerlich zu einer abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit der EU-Finanzwirtschaft führen. Es wird spannend sein zu sehen, ob das zu einem Aufwachen in Brüssel führt, aber wetten sollte man darauf nicht.
Ausblick
Beide Konsultationen enden im Mai 2026, die finalen Regeln sollen noch im selben Jahr erfolgen und 2027 in Kraft treten. Damit verfolgen FCA und PRA einen ähnlichen Zeitplan wie die EU. Inhaltlich werden die UK-Maßnahmen aber voraussichtlich deutlich stärker zur Marktstimulierung beitragen als das Reformpaket der EU.